Die Galapagos-Affäre

Der Begriff Galapagos-Affäre ging in den 1930er Jahren und auch noch lange Zeit später durch die weltweiten Medien und brachte die “verzauberten Inseln” ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit. Die Galapagos-Affäre bezeichnet Ereignisse, die sich zwischen März und November 1934 auf der zum Galapagos-Archipel gehörenden Insel Floreana ereigneten und im Zuge derer drei Menschen unter teilweise ungeklärten Umständen zu Tode kamen, sowie drei weitere spurlos verschwanden. Da die Ereignisse niemals restlos aufgeklärt wurden, beschäftigt die Galapagos-Affäre noch heute weltweit die Massenmedien; Bücher wurden darüber geschrieben und die Ereignisse dienten sogar als Filmmaterial.

Während der letzten zwei Jahrhunderte waren die Galapagosinseln Anziehungspunkt von Einwanderern aus aller Welt, vornehmlich allerdings aus Europa. Einige von ihnen haben recht interessante Geschichten über ihr Leben zu erzählen und einige deutsche Immigranten haben es, durch die Galapagos-Affäre, zur Berühmtheit geschafft.

Im September 1929 kam der exzentrische deutsche Arzt Dr. Friedrich Ritter mit seiner Lebensgefährtin Dore Strauch nach Galapagos und ließ sich dort nieder. Drei Jahre später, 1932, siedelte sich die ebenfalls deutsche Familie Wittmer - bestehend aus Margret Wittmer, ihrem Ehemann Heinz und dessen Sohn Harry aus erster Ehe - auf Floreana an. Margret Wittmer war bei der Ankunft auf Floreana schwanger. Am 1.1.1933 kam ihr Sohn Rolf zur Welt. Er ist der erste Mensch, der offiziell beurkundet auf Floreana geboren wurde. Vier Jahre später, am 18. April 1937, wurde die Tochter Floreana Ingeborg geboren.

Die Familien lebten in Frieden, bauten ihr eigenes Obst und Gemüse an und halfen sich gegenseitig wo sie konnten.

Doch alles änderte sich, als im November 1932 die östereichische so genannte "Baronin" Eloise Wehrborn de Wagner-Bosquet mit ihren beiden deutschen Geliebten Rudolf Lorenz und Robert Philippson, sowie einem ecuadorianischen Bediensteten namens Manuel Valdivieso nach Floreana kamen. Die Baronin verstand sich gar nicht mit den Ritters und den Wittmers und eine Reihe von Intrigen begann ihren Lauf zu nehmen. Die Baronin begann schon bald die Insel als ihre zu deklarieren, den Postverkehr der übrigen Bewohner zu kontrollieren, Versorgungslieferungen zu beschlagnahmen und Leute, die ihr nicht paßten, gewaltsam von der Insel vertreiben zu lassen.

Das Verhältnis zwischen Dr. Ritter und Dore Strauch hatte sich massiv verschlechtert und Augenzeugenberichten zufolge wurde Strauch von Ritter körperlich misshandelt. 1934 war der mittlerweile erkrankte Rudolf Lorenz bei der Baronin in Ungnade gefallen und wurde von ihr ebenfalls schlecht behandelt und von Philippson regelmäßig verprügelt. Daraufhin flüchtete Lorenz aus dem Hause der Baronin und fand Unterschlupf als Gast bei den Wittmers. Dem Ehepaar Wittmer vertraute Lorenz an, er fürchte, dass die Baronin und Philippson vorhätten, ihn zu ermorden. Der ecuadorianische Bedienstete Valdivieso war inzwischen zurück aufs Festland gekehrt und die Differenzen zwischen den Siedlern hatten sich auf Grund einer Dürre, die zu Knappheit auf der Insel führte, verschärft.

Dann, eines Tages im Frühling des Jahres 1934, waren die Baronin und Philippson spurlos verschwunden, niemand sah sie jemals wieder. Margret Wittmer behauptete die Baronin wäre am 26. März 1934 zu ihr gekommen und hätte verkündet, dass sie und Philippson vor hätten, die Insel Floreana auf einem Boot in Richtung Tahiti zu verlassen. Seltsamerweise hatte niemand dieses besagte Boot gesehen und auf Tahiti kamen die beiden nie an. Außerdem hatte die Baronin alle ihre persönlichen Sachen im Haus zurückgelassen. Bis heute bleibt das Verschwinden der Baronin und Philippson ein Rätsel.

Lorenz verkaufte darauf hin das Anwesen der Baronin und verließ die Insel kurze Zeit später mit einem norwegischen Kapitän in Richtung San Cristobal. Doch auch dieses Boot kam niemals auf San Cristobal an. Beide Männer wurden vermisst und am 17. November 1934 wurden die Leichen von Lorenz und dem norwegischen Kapitän auf der zum Galapagos-Archipel gehörenden unbewohnten Insel Marchena entdeckt, der Schiffsjunge des Bootes blieb vermisst. Am 21. November 1934 verstarb Friedrich Ritter auf Floreana an den Folgen einer Lebensmittelvergiftung. Die Umstände seines Todes legen nahe, dass er von Dore Strauch vergiftet wurde, doch dies konnte nie bewiesen werden. Auch Strauch verließ Floreana im Dezember 1934 in Richtung Deutschland. Vor ihrer Abreise wurde sie noch, durch einen Vertreter der ecuadorianischen Behörden und durch den deutschen Konsul in Ecuador verhört. Dieses Verhör fand allerdings ohne einen beeideten Dolmetscher statt, ein Begleiter Strauchs übersetzte stattdessen. Dieser gab später zu, Aussagen, mit denen Strauch sich selbst hätte belasten können, nicht übersetzt zu haben.

Das mysteriöse Verschwinden der Baronin, Philippons und später Lorenz fand weltweites Interesse in der Öffentlichkeit, sämtliche Zeitungen berichteten darüber. Teilweise wurden die wenigen gesicherten Fakten über die Vorkommnisse erheblich ausgeschmückt. Margret Wittmer gab ein Zeitungsinterview zu den Ereignissen. Dore Strauch schrieb sogar ein Buch darüber. Die Aussagen der beiden widersprachen sich allerdings teilweise stark. Was wirklich damals auf Floreana geschah...wir werden es wohl nie herausfinden.



(Foto: Baroness Viewpoint, Floreana, Richard Pluck, http://www.flickr.com/photos/richardpluck/293244109/)


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